Victoria
Im Südosten Australiens liegt der kleinste Staat des großen Kontinents: Victoria. Während Queensland beispielsweise fünf Mal so groß ist wie Deutschland, hat Victoria mit 227.420 km2 nur die Fläche von zwei Dritteln Deutschlands.
Dabei hat das Land Anteil an gleich vier Großlandschaften: dem Murraybecken im Norden, dem südlichen Bergland mit vorwiegend Eukalyptuswald, der bergigen Great Dividing Range im Norden an der Grenze zu New South Wales und der schmalen Küstenebene im Osten. Das Klima angenehm mitteleuropäisch bis mediterran, was nicht zuletzt zu den vielen Einwanderungswellen geführt haben könnte.
Die Aborigines haben in dem Gebiet bereits vor 40.000 Jahren gelebt. Ab den 1830er-Jahren waren sie nicht mehr allein und immer mehr Europäer besiedelten, besonders von Tasmanien aus, das Gebiet. Im Jahr 1851 lösten Goldfunde bei Ballarat im Norden und Bendigo letztendlich eine Masseneinwanderung aus. Vor allem Europäer und Chinesen waren dem Goldrausch verfallen. Noch im gleichen Jahr wurde Victoria dann eine separate britische Kolonie. Nach dem Goldrausch waren Ballarat und Bendigo schnell zu großen Städten herangewachsen und auch heute sind sie noch einen Ausflug wert.
Hier in den australischen Alpen kann man rund um den Mount Hotham Wandern, Mountainbiken, Reiten, Zelten oder im Geländewagen durch die Region an Bergflüssen und historischen Weingärten vorbei fahren. Im Winter wird das Gebiet von Wintersportlern dominiert. Die absolute Attraktion ist jedoch „Sovereign Hill“. Bei Ballarat stellen in einem nachgebauten Goldgräberdorf mehr als hundert Statisten in Kostümen den Alltag um 1850 nach.
Heute wird in Victoria kein Gold mehr, sondern Braunkohle, Erdöl und Erdgas gefördert. Außerdem ist die Wirtschaft vor allem von der Landwirtschaft wie Schafzucht, Mast- und Milchvieh, Getreideanbau, Obstkultivierung und Weinanbau geprägt.
Die verarbeitende Industrie hat sich hauptsächlich um die Hauptstadt Melbourne herum angesiedelt, wo der wichtigste Hafen liegt. Auch Melbourne profitierte von den reichen Goldfunden und ist heute mit 3,7 Millionen Einwohnern nicht nur die größte und wichtigste Stadt ganz Australiens, sondern auch ein wichtiger Knotenpunkt von Kunst und Kultur des Landes.
Die Stadt ist sehr multikulturell. Einwanderer aus 140 Ländern wie Großbritannien, Italien, Deutschland, Griechenland und seit neustem auch Asien, sorgen für eine ethnische Vielfalt, die ebenfalls eine multikulturelle Küche mit sich bringt. Victorias Hauptstadt ist auch für seine verschiedenen Festivals bekannt.
Das Melbourne Festival im Oktober und das Comedy Festival im April lockt jährlich tausende Besucher an. Die beste Aussicht auf das bunte Treiben der Stadt hat man vom Eureka Tower.
Im Yarra Valley in der Nähe der Metropole kann man ein wenig abschalten. Hier bieten alte Eukalypten, Weingärten und Parkland die Kulisse für viele preisgekrönte Weine.
Definitiv eine Reise wert ist eine der bekanntesten Küstenstraßen der Welt: die Great Ocean Road im Süden zwischen Melbourne und Adelaide. Entlang dem westlichen Teil der Küste stehen die zwölf Apostel, eine eindrucksvolle und oft fotografierte natürliche Felsformation. Heute gibt es allerdings nur noch sieben der bis zu 60m hohen Felssäulen.
Im September hat die raue See den achten verschlungen. Wenn man Glück hat, kann man hier auch Wale mit ihrem Nachwuchs beobachten. Im Westen Victorias sollte man außerdem nicht die Grampians verpassen.
Das Gebirge aus rotem Sandstein, dass sich bis auf 1.100 Meter erhebt, ist eine beliebte Wanderregion mit einem 160km langem Netz von Wanderwegen. Das Bild wird von Wasserfällen, Eukalyptuswälder, Bergflüssen und Seen bestimmt. Im Frühjahr, wenn im Nationalpark über tausend verschiedene Pflanzenarten, blühen ist es besonders schön.
Wer vom Wandern noch nicht müde ist, sollte unbedingt auch die Halbinsel „Wilsons Promontory“ besuchen. Der Südzipfel des Kontinents war mal mit Tasmanien verbunden und besticht nun mit weißen Stränden, schroffen Klippen, Eukalyptuswäldern, dichtem Regenwald und hohen Bergen.
An der östlichen Great Ocean Road um Geelong, der zweitgrößten Stadt des Staates, herum findet alljährlich ein Surfwettbewerb statt.
Noch weiter im Osten in der Nähe der Mornington-Halbinsel liegt Phillip Island, das auch noch zu Victoria gehört. Hier kann man ganzjährig die nur 33cm großen Zwergpinguine bei ihrer allabendlichen Parade vom Meer zu ihren Nistplätzen am Summerland Beach beobachten. Tagsüber toben die australischen Pelzrobben hier mit den Pinguinen im Meer.
In der jüngsten Vergangenheit wurde die Landschaft Victorias leider stark zerstört. Die größte Hitzewelle seit Beginn der Wetteraufzeichnungen verursachte im Februar 2009 die verheerenden Buschfeuer, die auch weit über 200 Todesopfer forderten.
Nichtsdestotrotz ist der kleine Staat immer noch wunderschön und bietet vor allen Dingen Wanderern und kulturell interessierten Touristen eine Menge Möglichkeiten den Urlaub zu gestalten.

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