Northern Territory
Wer das Northern Territory als australischen Staat bezeichnet, liegt falsch. Das nördliche Territorium ist nämlich eben nur australisches Bundesterritorium, das keine Eigenstaatlichkeit besitzt, aber durch Bundesgesetz soviel Selbstverwaltung zugesprochen bekommt, dass der Status mit dem eines Bundesstaates vergleichbar ist.
Ob nun Staat oder Territorium ist den wenigen 203.000 Einwohnern aber eigentlich egal. Die Bevölkerung macht gerade mal 1% der australischen Gesamtbevölkerung aus und gilt als sehr multikulturell: Die vielschichtige Bevölkerung ermöglicht nicht nur ein breitgefächertes kulturelles Angebot sondern auch eine Vielzahl unterschiedlicher Restaurants mit internationalen Küchen.
Die Nähe zu Asien ist nicht zu leugnen. In 24,1% der Haushalte wird eine nicht-englische Muttersprache gesprochen. Nicht zuletzt verantwortlich dafür ist sicher auch die hohe Zahl der Aborigines, die ein Viertel der Bevölkerung ausmachen und schon seit mindestens 40.000 Jahren das Gebiet des Northern Territory bevölkern. Sie leben heute vor allem im 1.346.200km2 großen Arnhemland im Nordosten des Territoriums.
Das Northern Territory umfasst in etwa die Größe von Spanien, Frankreich und Italien zusammen und macht somit etwa ein Sechstel der Landfläche Australiens aus. Die Besiedlung des Territoriums ist allgemein sehr dünn. Kein Wunder; der größte Teil des Landes ist mit Tafelland und schließlich den Dünen der Simpson-Wüste bedeckt und so leben allein 115.000 Australier in der flachen Küstenregion im Norden um Darwin herum. Da in den Anfängen des australischen Staates zunächst nur die Küsten besiedelt wurden, galt das Northern Territory lange Zeit als das einsamste und abgelegenste Gebiet.
Erst 1911 wurde die europäische Siedlung Palmerston gegründet aus der sich dann Darwin entwickelte. Die Höchsttemperaturen können im Sommer circa 34°C erreichen. Dann ist auch die Luftfeuchtigkeit am höchsten und Monsunregenfälle legen den Verkehr lahm. Nicht selten hat man sich dann auch vor starken tropischen Wirbelstürmen, den Zyklonen zu fürchten. Jedoch gilt besonders diese Jahreszeit wegen ihrer Vielfalt an tropischen Blüten und Tieren als besonders reizvoll. Das Leben ist stark durch das tropische Klima geprägt. Darwin hat eine eher ungezwungene, entspannte Atmosphäre und ist ein guter Ausgangspunkt für Erkundungen des Nordens.
Der Kakadu Nationalpark, einer der sehenswertesten Nationalparks, ist zum Beispiel gleich nebenan. Neben der Aboriginal-Kultur kann man hier den großen Tierreichtum bestaunen: Krokodile, Wasservögel, Kängurus, Emus, Reptilien, seltene Warane und verschiedenste Fische. Den Park erkundet man am Besten mit einer Boots- oder Campingtour.
Zweitgrößte Stadt des Territoriums ist Alice Springs in Central Australia – „The Red Centre“. Die 26.000 Einwohner machen gemeinsam mit der Bevölkerung Darwins 70% der gesamten Bevölkerung des Northern Territorys aus. Hier im Landesinnern herrscht ein trockenes Wüstenklima mit Höchsttemperaturen im Sommer um bis zu 58°C.
Von Alice Springs, dem „roten Herz“, aus starten Wanderungen in den Schluchten der East- und West MacDonnell Ranges und Touren ins Outback, zum Beispiel zum Kings Canyon. Der Kings Canyon ist die größte Schlucht in Zentralaustralien, 323 km südwestlich von Alice Springs. Und wenn man schon mal dort ist, kann man sich auch gleich das australische Wahrzeichen schlechthin ansehen. Nein, gemeint ist nicht die Oper in Sydney oder eine Gruppe Kängurus, sondern der Uluru, auch Ayers Rock genannt.
Im Uluru-Kata Tjuta Nationalpark liegt der zweitgrößte Einzelfelsen auf der Erde und der heilige Berg der Aborigines, der je nach Wolkenbildung und Stand der Sonne bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang die Farbe wechselt. Sehr sehenswert sind auch die nicht weit entfernten Kata Tjuta, oder Olgas, eine Ansammlung aus kuppelähnlichen Felsbergen. Das Gebiet lässt sich besonders gut auf schönen Wanderwegen erkunden.
Jährlich strömen tausende Besucher aus der ganzen Welt zu den Sehenswürdigkeiten. Besonders der Tourismus in Alice Springs, im Uluru-Kata Tjuta-, und Kakadu-Nationalpark ist wirtschaftlich sehr wichtig für das Land. Von noch größerer wirtschaftlicher Bedeutung ist nur die exportorientierte Fleischrinderzucht. Außerdem werden Bodenschätze wie Uran, Bauxit und Gold abgebaut und Erdöl und Erdgas gefördert.
Katherine ist die drittgrößte Stadt des Northern Territory. Sie liegt nördlich am „top End“ über Darwin. Die Hauptattraktion ist der 180.400 Hektar große Nitmiluk Nationalpark mit der eindrucksvollen Katherine Gorge. Durch dreizehn aufeinanderfolgenden Schluchten, die insgesamt 30 km lang und von bis zu 70 m hohen Felswänden gesäumt sind, fließt der Katherine River, der zu eindrucksvollen Bootsfahrten einlädt. Auch sehr einladend sind die Edith Falls. Die 60 m hohen Wasserfälle speisen einen See, der zum beliebten Badeziel geworden ist. Der Park regt nicht nur zum Baden, sondern mit gut markierten Wanderwegen auch zu großen Wildnisabenteuern ein.
Das Northern Territory ist in weiten Teilen noch sehr unberührt und ursprünglich und gilt als einer der letzten Wildnisregionen der Welt. Dafür ist es sehr einfach und bequem zu bereisen, wofür es auch eine Menge guter Gründe gibt.

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